Der Trainingsraum

Konzeptionelle Überlegungen zur Einrichtung eines

„sozialen Trainingsraumes"

an der Schule am Alten Postweg

- Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen - Hemmoor

 

 

Vorüberlegungen

 

Im Rahmen der Schulprogrammarbeit an der Förderschule Hemmoor bildet der Bereich des sozialen Lernens, die Einübung von Regeln im gegenseitigen Miteinander, der gegenseitige Respekt und höfliche Umgang mit anderen, einen wichtigen Aspekt.

So gibt es neben der Schulordnung und den jeweiligen Klassenregeln, eine Streitschlichterausbildung, die Konflikte unter Mitschülern, besonders im Pausenbereich bearbeitet und dadurch zu einem friedlichen Schulklima

beiträgt.

Als eine sinnvolle Ergänzung der bisherigen Maßnahmen strebt das Kollegium nun die Einrichtung eines „Sozialen Trainingsraumes" zum nächsten Schuljahr an, um während des Unterrichts schnell und angemessen auf Störungen einzelner Schüler reagieren zu können.

 

 

Das Trainingsraumprogramm

 

Störungen einzelner Schüler führen innerhalb des Unterrichts immer wieder zu Unterbrechungen, die die Lernatmosphäre in der Klasse nachhaltig negativ beeinflussen.

Die Auseinandersetzung mit der Störung und dem störenden Schüler nimmt einen unangemessenen zeitlichen Rahmen in Anspruch, führt dazu, dass die übrige Lerngruppe ihre Arbeit unterbrechen muss, Konzentration und Lernbereitschaft massiv beeinträchtigt werden.

Um diese Situation zu entschärfen, einerseits der Störung entgegenzuwirken und andererseits den negativen Einfluss auf die lernbereiten Schüler zu minimieren, hat sich an vielen Schulen das Trainingsraumkonzept als erfolgreiche Maßnahme bewährt.

 

Die Ziele des Trainingsraumprogramms

  1. Das erste und wesentlichste Ziel des Programms besteht darin, die lernbereiten Schüler/innen zu schützen und ihnen entspannten, ungestörten und qualitativ guten Unterricht anzubieten.
  2. Das zweite Ziel des Programms besteht darin, häufig störenden Schüler/innen Hilfen anzubieten, die darauf ausgerichtet sind, dass sie ihr Sozialverhalten verbessern und die notwendigen sozialen  Schlüsselqualifikationen erwerben.

Da es nicht in der Macht der Lehrer/innen liegt zu bestimmen, ob ein verhaltensschwieriger Schüler diese Hilfen auch annehmen möchte,  kann ein Fortschritt in diesem Bereich nicht in jedem Einzelfall erwartet und garantiert werden. Die Schule kann aber mit dem Programm den lernbereiten Schüler/innen einen entspannteren und weniger oft und stark  gestörten Unterricht garantieren. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Lehrer/innen selber.[1]

Die Methode basiert auf drei Grundregeln:

  • Jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen.
  • Jeder Lehrer hat das Recht ungestört zu unterrichten.
  • Jeder muss immer die Rechte der Anderen respektieren.

Wenn ein Schüler in der Klasse den  Unterricht stört, wird er respektvoll ermahnt und gefragt, ob er sich lieber an die Regeln halten möchte, oder ob er in den Trainingsraum für verantwortliches Denken gehen möchte. Wenn der Schüler nicht einlenkt, dann  muss er in den Trainingsraum gehen.

Wenn er zurück in die Klasse möchte, muss er einen Rückkehrplan erstellen, in dem er darlegt, wie er es das nächste Mal schaffen will, seine Ziele zu erreichen, ohne die anderen in der  Klasse zu stören. Dies setzt voraus, dass der Schüler sich Gedanken darüber macht, was er denn selber möchte, was die anderen in der Klasse möchten und wie er seinen Beitrag für die Gemeinschaft leisten kann.

Dieser  Rückkehrplan liegt nun schriftlich vor und kann immer wieder mit dem tatsächlichen Verhalten und nachfolgenden Plänen verglichen werden. Jeder Plan wird mit dem vorhergehenden Plan verglichen und muss sich Schritt für  Schritt qualitativ verbessern.

Mit einem im Trainingsraum besprochenen Rückkehrplan geht der Schüler zurück in den Unterricht des Lehrers, der in geschickt hatte, ohne erneut zu stören. Der Lehrer bespricht sobald er Zeit findet diesen Plan und es wird eine Vereinbarung auf der Grundlage des Plans getroffen.[2]


[1] vgl. www.trainingsraum.de

[2] vgl. Balke,S.

Übertragung des Modells auf die Bedürfnisse unserer Schule

 

Das Trainingsraumprogramm als Bestandteil des Schulkonzepts, kann nach unserer Auffassung gerade an einer Förderschule mit Schüler/innen, die häufig Probleme im Konzentrations- und Lernbereich haben, zu einer Verbesserung des Schulklimas und der Lernatmosphäre beitragen.

Zusätzlich treten bei unseren Schülern auch Probleme im Verhaltensbereich und im sozialen Umgang miteinander auf.

Hinsichtlich der weiteren schulischen und beruflichen Zukunft gilt es insbesondere hier Umgangsformen, Regelakzeptanz und respektvolles Miteinander einzuüben und weiterzuentwickeln.

Der Trainingsraum bietet daher an unserer Schule nicht allein die Möglichkeit Disziplinprobleme im Unterricht zu lösen, sondern bietet Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit unmittelbar mit eigenen Regelverstößen konfrontiert zu werden und sich in angemessener Form mit ihnen auseinander zu setzen.

   

Um ein Gelingen des Trainingsraumprogramms an unserer Schule zu gewährleisten sind folgende Komponenten vorauszusetzen:

 

Zeitlicher Umfang

 

Als erforderlich wird nach Diskussion der Arbeitsgruppe und in Absprache mit dem Kollegium die tägliche Besetzung des Trainingsraums von der 2. bis zur 6. Unterrichtsstunde angesehen, da Störungen durch Schüler erfahrungsgemäß ab der 2. Unterrichtsstunde massiver auftreten und mit fortschreitender Unterrichtsdauer zunehmen.

 

Eine Besetzung des Trainingsraum im Umfang von 25 Wochenstunden erscheint daher als sinnvoll. Darüber hinaus ist ein Modell zu entwickeln, die Verlässlichkeit des Trainingsraums auch im Vertretungsfall zu gewährleisten.

 

 

Räumliche Ausstattung

 

Der Trainingsraum muss in der Schule einen festen Platz haben, der ausschließlich diesem Zweck dient.

Zur Bearbeitung des Rückkehrplans sind 4-5 Einzelarbeitsplätze einzurichten.

Zusätzlich sollte der Raum über einen „Warte- und Besprechungsbereich" verfügen, in dem TR-Lehrer und Schüler die Klärung des jeweiligen Konfliktes besprechen können.

Die drei Grundregeln sollten in Plakatform deutlich sichtbar angebracht werden :

  • Jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen.
  • Jeder Lehrer hat das Recht ungestört zu unterrichten.
  • Jeder muss immer die Rechte der Anderen respektieren.

Dies erleichtert den Bezug auf den jeweiligen Regelverstoß.

Ein Schreibtisch mit den entsprechenden Ordnern für notwendige Vorlagen (Laufzettel, Rückkehrplan, Klassenlisten) ist als selbstverständlich vorauszusetzen.

 

 

Personelle Besetzung

 

Die grundsätzliche Bereitschaft des Kollegiums im Trainingsraum zu arbeiten ist auf einer Dienstbesprechung deutlich geworden.

Fortbildungen hinsichtlich der Methode und Techniken der Gesprächsführung sollen für die im Trainingsraum arbeitenden Kollegen Voraussetzung sein.

Hilfreich ist in diesem Zusammenhang der Erfahrungsschatz einzelner Kollegen, die den Aufbau des TR in der BBS Cadenberge begleitet haben und als TR-Lehrer dort tätig sind.

 

Vorbereitung der Schüler/innen, Eltern und Erziehungsberechtigten

 

Die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die Einrichtung des Trainingsraums stellt ein zentrales Element zum Gelingen der Methode dar.

 

Zu Beginn des Schuljahres sollen alle Schüler mit den Regeln und ihrer Bedeutung vertraut gemacht werden.

Im Klassengespräch wird die Notwendigkeit der einzelnen Regeln für einen ungestörten und erfolgreichen Unterricht besprochen.

In jedem Unterrichtsraum der Schule werden die  Grundregeln sichtbar angebracht.

 

Die Erziehungsberechtigten werden über Informationsschreiben und die zu Schuljahresbeginn stattfindenden Elternabende über das TR-Programm informiert.

 

Vorab wurde die Einrichtung des Trainingsraums bereits in Gesamtkonferenz und Schulvorstand beschlossen.

 

Umsetzung und Evaluation

 

·        Im Rahmen der weiteren Umsetzung wird die Arbeitsgruppe die Gestaltung der Plakate für die Grundregeln, der Laufzettel, des Rückkehrplans und des Elternbriefs übernehmen und diese im Rahmen einer Dienstbesprechung dem Kollegium vorstellen.

·        Es ist ein Trainingsraum -Team zu bilden, das den Trainingsraum verlässlich besetzt.

·        Die Arbeitsgruppe Trainingsraum begleitet das Trainingsraum - Team und organisiert den regelmäßigen Austausch im Kollegium

·        Nach einer halbjährlichen Erprobungsphase evaluiert die Arbeitsgruppe die Akzeptanz des TR- Programms und entwickelt das Modell weiter.

 

 

 

 

Literatur:  Die Spielregeln im Klassenzimmer, Balke S. 1996

              Die Trainingsraummethode, Bründel H./Simon E. 2003

              www.trainingsraum.de